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Roman «Das Holz», von Jeroen Brouwers

175 Jahre Stiftung Bächtelen

Der niederländische Schriftsteller hat einen bewegenden Roman über eine Klosterschule in den fünfziger Jahren geschrieben, in der Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung waren. Das Wort Holz steht für das Kreuz, an dem Christus starb und auch für das Prügelholz, mit dem die Internatszöglinge in der niederländischen Klosterschule Sint Jozef ter Engelen gezüchtigt werden. Brouwers zeichnet mit virtuoser Hand einen kleinen Mikrokosmos des Grauens.

Kurzinhaltsangabe:
Eldert Haman tritt eine Arbeitsstelle als Lehrer an in einem katholischen Internat. Bald schon überredet ihn Vater Benedictus, dem Kloster beizutreten und dem Weltlichen zu entsagen. Eldert, ein Moralist und überzeugter Pädagoge, lässt sich auf das Experiment ein. Im Kloster wird er aber zunehmend zum Außenseiter. Jedoch gefangen in einem diktatorischen System und in der Angst um seine Zukunft bis er den Mut findet, sich aus diesem Schreckensszenario mit Hilfe einer Geliebten zu befreien...

Kommentar: Einige der Mönche quälen die Kinder und Jugendlichen mit einer zwanghaften Leidenschaft aus Gewalt, Verachtung und Hass, die dem Opfer auch gleich die Busse für die an ihm verübten Taten auferleg. Körperliche Züchtigung gehört hinter diesen Klostermauern zum Alltag. Sie geht dem sexuellen Missbrauch der Kinder regelmässig voraus. Im repressiven Milieu entwickeln sich so Pädophilie und Gewalt zur mörderischen Perversion. 1953 ist der vergangene Krieg und die Okkupation Hollands durch Deutschland noch sehr nahe. Die Herrschaft der Nationalsozialisten setzt sich wiederum im Kleinen fort unter dem Schreckensregime der Mönche in einer gegen aussen völlig abgeschlossenen Welt. Statt gefördert und gebildet werden die Internatsschüler wie Gefangene malträtiert. Ihr Wille und ihre Kraft sollen gebrochen und gedemütigt werden. Die im Krieg, unter den Besatzern und unter der Repression der Kirche traumatisierten Erwachsenen werden selber zu Tätern an den Schutzbefohlenen.

Der Autor stellt das Geschehen mit eindringlich realistischer Genauigkeit dar. Die einzelnen Passagen gehen bisweilen auch an die Grenze des Erträglichen. Er vermittelt uns die Topgrafie eines Alptraums. In unzähligen Internaten und Heimen über den Globus verteilt geschahen die gleichen Gräuel. Aber erst jetzt kommt diese Dimension einer korrumpierten und von Frustration, Hass und Gewalt an die Oberfläche.

Der Autor:
Jeroen Brouwers, geboren 1940 im indonesischen Batavia, ist einer der wichtigsten und einflussreichsten niederländischen Autoren. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Anerkennungen und Preise. Er lebt in der belgischen Gemeinde Zutendaal in der Region Flandern.


Bibliographische Angaben

Das Holz, Jeroen Brouwers, Weissbook Verlag, 2016
ISBN 978-3-86337-110-4