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Galeerensträflinge

Heute gehören Galeerenfahrten zum Freizeitvergnügen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren Galeeren schwimmende Gefängnisse und übelste Straflager. Misshandlungen, Krankheiten und Hunger forderten ihren Tribut. Sträflinge wurden wegen kleinster Vergehen zu langjährigen, manchmal sogar lebenslänglichen Galeerenstrafen verurteilt.

Galeeren

Die wenigen bestehenden Gefängnisse waren meist in einem desolaten Zustand. Flucht war häufig, nicht selten durch Bestechung der Wärter. Archaische Strafen wie Henken, Enthaupten, Rädern und Vierteilen waren bis ins 19. Jahrhundert in den Köpfen noch präsent. Vertreibung, Brandschatzung, Überfälle, Landstreicherei als Gräuel und Folgen des Dreissigjährigen Krieges waren für die bürgerliche Gesellschaft eine Landesplage und dienten als Alibi, um dieser "Brut" mit drakonischen Strafen Herr zu werden. Diese unsicheren Zeiten waren zudem geprägt von Armut, Elend, Seuchen Missernten, Hungersnöten und Wirtschaftsflauten. Bagatellvergehen wie kleine Diebstähle, Widerstand gegen die Behörden, Bettelei oder Landstreicherei genügten, um im Verbrechermilieu zu landen.

Die neun Kantone der damaligen Eidgenossenschaft unterhielten enge Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich. Und dem "Vorbild" Frankreich folgend begannen sie ebenfalls, ihre Delinquenten auf die Galeeren zu verbannen. Abnehmer waren neben den Franzosen auch Venedig, Genua und Spanien. Weil der fremde Kriegsdienst Hochkonjunktur hatte, aber das Leben der Soldaten vielfach eine elende Schinderei war, desertierten viele. Die Strafe dafür war die Galeere. Eigner der Galeeren waren die kriegführenden Staaten, welche für ihre Gefechte genügend Rudersklaven benötigten. Die Strafbehörden schreckten nicht vor unmenschlichen Urteilen und nach heutigen Massstäben schlimmster Willkür zurück.

Erst recht Freiwild wurden die Verurteilten auf den Galeeren; auf Gedeih und Verderben den Kommandeuren und „Treibern“ ausgeliefert. Ein Menschenleben galt hier nichts. Für 40% der Verurteilten bedeute das Strafurteil den sicheren Tod. Die Galeere war auch eine Art schwimmender Friedhof: Schinderei, Gewalt, Hunger, Verletzungen, Krankheiten und Gefechte dezimierten die Rudersklaven stets um zwei Fünftel. Es brauchte ständig Nachschub. Und da war diese Art der Verbannung und Unrechtssprechung ein willkommenes Ventil.

Das Buch „Les Suisses aux galères de France 1601-1790“ beleuchtet diese Thematik eingehend. In dieser Zeitspanne wurden über 900 Schweizer zur Galeerenstrafe gezwungen. Dank den Archiven in den Hafenstädten Toulon, Marseille, Brest und Rochefort konnte ein Teil der Spuren aufgedeckt werden, die sie hinterliessen.

Text: Walter Zwahlen

Cover
Benoît Dumas
Les Suisses aux galères de France 1601-1790
éditions Cabédita, 2005