Zeitzeugen

Maria Purro

Maria wurde mit elf Jahren bei einem Onkel auf einem Bauernhof im Entlebuch verdingt. Der Beginn einer neunjährigen Knechtschaft mit einem unvorstellbaren Arbeitspensum. Für drei Erwachsene und fünf minderjährige Kinder hatte sie täglich drei Mahlzeiten zu kochen. Dazu kamen 100 Schweine und 12 Kühe, die es zu füttern und zu versorgen galt. In dieser Familie blieb Maria bis zum zwanzigsten Altersjahr und konnte nie einen Beruf erlernen.
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Nelly Haueter

Nelly wurde in ein karges Elternhaus geboren. Die Mutter ertränkte ihre Frustration im Alkohol. Die Wut auf ihr erbärmliches Leben liess sie meistens an der ältesten Tochter aus. Nelly musste oft mit leerem Magen in die Schule. Als das Mädchen 7 Jahre alt wurde, verdingte es die Behörde zu einem Bauern im Seeland. Hinter der Fassade dieses Bauernhauses galten schreckliche Regeln. Nelly erlebte dort während neun Jahren als Verdingkind eine traurige Kindheit. Der Tagesspruch klang als Morgengebet: „Du bisch nüt, du chasch nüt, us Dir git’s nüt“!
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Albrecht Zaugg

Er wurde als zehntes von dreizehn Kindern auf einem kleinen Bauernbetrieb im Oberaargau geboren. Weil der Vater lungenkrank wurde und nie mehr richtig genas, verdingte die Gemeindebe Albrecht und zwei seiner Geschwister. Der Knabe kam zu einem Garten- und Gemüsehändler und wurde wegen einer Bagatelle von den gewalttätigen Pflegeltern fast getötet, aber noch rechtzeitig vom Nachbar gerettet.
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S. A.

S.A. wurde als uneheliches Kind einer Magd im Kanton Nidwalden geboren. Die ersten sieben Lebensjahre verbrachte S. bei einer älteren Frau, die sich ihren Lebensunterhalt als Pflegemutter verdiente. Zu Beginn der 2. Klasse kam S. zu einem gewalttätigen Kleinbauern als Verdingkind, Knecht und Prügelknabe. Als die miserablen Zustände bekannt wurden, brachte man S. endlich zu einem andern Bauern. Weitere Wechsel folgten. S. wurde schwierig und er landete im Erziehungsheim.
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Dora Stettler

Zusammen mit einem älteren Bruder und einer Schwester erlebte Dora Stettler die ersten sieben Jahre eine glückliche Kindheit im Berner Breitenrainquartier. Aber dann kam es zur Trennung und später zur Scheidung der Ehe der Eltern. Die Mutter bekam das Sorgerecht, liess aber die drei Kinder bevormunden, um den Einfluss des Vaters zu mindern. Sie hatte auch schon einen neuen Freund im Visier und die drei Kinder standen diesem neuen Glück im Wege.
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Jean Pilcher

Als Kleinkind, kaum jährig, wurde Jean zu Pflegeeltern gebracht und einige Jahre später zu einem Bauern verdingt. Die leibliche Mutter sah er erst mit 11 Jahren wieder, zurück zu ihr und ihrer Familie konnte er aber nicht. Trotz Erziehungsheim schaffte er es, sich in der Berufslehre und ihm Leben zu bewähren.
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Johanna Saurer

Im Jahr 1932 haben sich meine Eltern gefunden. Als mein um 2 Jahre älterer Bruder geboren wurde, heirateten sie gegen den Willen meiner Grosseltern väterlicherseits. Ihre Ehe stand von Anfang an unter keinem guten Stern, da beide Elternteile zu jung und unerfahren waren. Schon bald wurden sie richterlich getrennt und beide lebten wieder bei ihren Eltern.
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Gottlieb Brunner

Gottlieb Brunner wurde am 16. März 1931 in Zürich- Altstetten als erstgeborener Sohn von Gottlieb und Emma geb. Ogi auf die Welt gestellt. Die Eltern lernten sich als Angestellte im Hotel eines Verwandten in Wengen kennen. Sie zogen nach Zürich. Er als gelernter Maurer, sie wegen bevorstehender Schwangerschaft als Hausfrau. Der Junge gedieh gut. Aber die Ehe der Eltern schien schon bald zu bröckeln.
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Olga Marti

Olga Marti-Schenk

Olga Marti wurde 1926 in Studen geboren. Von den neun Kindern war sie die drittälteste. Ihr Vater war Wagner von Beruf. In der Freizeit machte er Musik und hat sogar eine eigene Kapelle dafür gegründet. Die Mutter war für die Kinder da. Sie hatte es aber nicht leicht. Das Haus war viel zu klein für soviele Kinder, so mussten die älteren von zu Hause weg! Die Kinder wurden gehänselt und ausgelacht, ja sogar beschimpft. Da der Vater ein Frauenheld war, waren sie in den Augen der Dorfleute nur die “Schenkböcke”.
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Walter Bläuenstein

Walter Bläuenstein wurde am 25. November 1941 im Mütter- und Säuglingsheim Inselhof in Zürich geboren. Seine Eltern hat er nie kennen gelernt. Der Name des Vaters ist in keinem amtlichen Dokument bezeugt. Im Inselhof blieb er bis 1943. Erst mit 20 Jahren verlangte er seine Vormundschaftsakten, als er Volljährig war. Da erfuhr er erstmals, dass er noch einen 7 Jahre älteren Bruder hatte.
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Paul Schwarz

Paul Schwarz

Paul Schwarz wurde 1972-76 von der Vormundschaftsbehörde wegen der Scheidung der Eltern bei grässlichen Bauersleuten in der Gemeinde Belp verdingt. Schier unglaublich, was er alles erleiden und erleben musste. Obwohl hochintelligent hielt man ihn wie den letzten Knecht, liess ihn kaum die Aufgaben machen, so dass er die Sekundarschule mit schlechteren Noten beendete, als er es verdient hätte. Nach der Landschaftsgärtnerlehre wanderte Paul Schwarz nach Kanada aus, liess damit die schlimme Kindheit und eine bittere Erinnerung an die Schweiz hinter sich, machte sich selbständig und holte auch den verpassten Universitätsabschluss nach.
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Hugo Zingg

Hugo Zingg kam 1936 im Berner Mattequartier in einer Arbeiterfamilie zur Welt. Sein Vater war Mechaniker. Seine frühen Kinderjahre verbrachte erbis kurz vor Schuleintritt in einem sogenannten Kinderheim in Kleindietwil im Oberaargau. Der Besitzer, ein Coiffeur, hatte mehrere fremde Kinder gegen ein Kostgeld in Pflege. Im Winter 1942/43 wurde er auf einen Bauernhof mittlerer Grösse im Gürbetal verdingt. Er wurde für alle Arbeiten in Feld, Haushalt und Stall eingespannt. Geschlafen hat er im ungeheizten, finsteren Gaden zusammen mit dem jungen Knecht, der vor ihm auch schon Verdingbub gewesen war.
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Hugo Zingg
Armin Leuenberger

Armin Leuenberger

Ich wurde am 13. Oktober 1945 im Tiefenauspital in Bern geboren. Meine leiblichen Eltern waren unverheiratet und lebten nicht zusammen. Ich bekam den Namen des Vaters, Armin Bächli. Meine Mutter hatte einen Beistand. Auch mir wurde 1947 ein Beistand zugeordnet. In einem kuriosen Verfahren verneinte das Bezirksgericht Zurzach 1946 auf Betreiben der Heimatgmeinde die Vaterschaft, weil mein Vater damals im Gefängnis sass. Ich erhielt nun den Familiennamen meiner Mutter, Leuenberger.
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