Zeitzeugen

Alle Fotoporträts sind von KEYSTONE/Peter Klaunzer ausser Maria Purro und Dora Stettler (Fotografin Anna Katharina Scheidegger) sowie Paul Schwarz (Privatarchiv). Maria Purro

Maria wurde mit elf Jahren bei einem Onkel auf einem Bauernhof im Entlebuch verdingt. Der Beginn einer neunjährigen Knechtschaft mit einem unvorstellbaren Arbeitspensum. Für drei Erwachsene und fünf minderjährige Kinder hatte sie täglich drei Mahlzeiten zu kochen. Dazu kamen 100 Schweine und 12 Kühe, die es zu füttern und zu versorgen galt. In dieser Familie blieb Maria bis zum zwanzigsten Altersjahr und konnte nie einen Beruf erlernen.
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Hans Birri

Ich wurde am 30. Dezember 1931 in der kantonalen Frauenklinik in Zürich geboren. Meine Mutter Hermine Kunz (1913* war noch unverheiratet. Mein Vater Johann Birri (1911*), heimatberechtigt in Zeihen AG war ebenfalls noch ledig, anerkannte aber die Vaterschaft. Am 7. Januar bestätigte 1932 er bei der Befragung auf der Vormundschaftsbehörde, dass er sich demnächst mit der ledigen Mutter verheiraten werde. Ich, Hans Birri, wurde inzwischen im Kinderheim Florhof (ZH) untergebracht. Am 18.Februar 1932 wurde ich dann auch als leiblicher Sohn legitimiert...
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Samuel Stalder

Geboren wurde ich am Ende des Brandseitengrabens im Emmental. Damit schlug meines Schicksal Stunde. Es war ein kleiner Bauernbetrieb, im Stall gab es nur Platz für drei Kühe, ein Kalb und eine Sau. Wir hielten noch einige Hühner. Der Hof lag an einem steilen Hang mit viel Wald. Geld war immer mehr als knapp. Mein Vater musste noch auswärts Geld verdienen, das Bauern war nur Nebenbeschäftigung. Das bedeutete nach der Arbeit keinesfalls Feierabend. Stets, wenn es ums Bezahlen der Rechnungen ging, gab es Streit. Die Mutter war böse mit uns Kindern und hat uns oft verdroschen...
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  Dora Stettler

Zusammen mit einem älteren Bruder und einer Schwester erlebte Dora Stettler die ersten sieben Jahre eine glückliche Kindheit im Berner Breitenrainquartier. Aber dann kam es zur Trennung und später zur Scheidung der Ehe der Eltern. Die Mutter bekam das Sorgerecht, liess aber die drei Kinder bevormunden, um den Einfluss des Vaters zu mindern. Sie hatte auch schon einen neuen Freund im Visier und die drei Kinder standen diesem neuen Glück im Wege.
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  David Gogniat

Ich wurde am 19. Januar 1939 im Berner Frauenspital als uneheliches Kind geboren. Mein leiblicher Vater war damals von seiner Frau aus erster Ehe bereits geschieden. Aus dieser Ehe habe ich noch eine Halbschwester. Nachdem ich meine Akten erhalten habe, suchte ich lange nach ihr und fand sie durch die Unterstützung zweier Personen gleichen Familiennamens vor kurzem und lernte sie endlich kennen. Meine leiblichen Eltern haben dann auch irgendwann geheiratet. Aus dieser Ehe gingen 1940 eine erste Schwester, 1941 eine zweite und 1943 ein jüngerer Bruder hervor. Wir lebten damals in einer Wohnung im Murifeld in Bern. An meinen Vater habe ich keine Erinnerung.
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  Charles Probst

Als Kleinkind, kaum jährig, wurde Jean zu Pflegeeltern gebracht und einige Jahre später zu einem Bauern verdingt. Die leibliche Mutter sah er erst mit 11 Jahren wieder, zurück zu ihr und ihrer Familie konnte er aber nicht. Trotz Erziehungsheim schaffte er es, sich in der Berufslehre und ihm Leben zu bewähren.
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  Rita Soltermann

Ich kam am 31.Dezember 1938 in Burgdorf zur Welt. Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater arbeitete als Pflästerer, er war in der Stadt Burgdorf angestellt. Leider war diese Arbeit, welche sicher sehr hart war, seiner Gesundheit nicht förderlich, denn er war sehr oft krank im Spital, so dass er am 28.Februar 1943 im Alter von 34 Jahren im Inselspital Bern starb. Ich war die Zweitälteste von 4 Kindern, mein Bruder hat Jahrgang 1937, ich 1938, die Schwestern Käthi 1940 und Doris 1941. Wir bekamen alle einen Beistand. Durch die Krankheit meines Vaters wurden wir laut den Akten damals schon längere Zeit von der Fürsorge unterstützt.
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  Rudolf Züger

Ich wurde am 23. Februar 1942 als zweitjüngstes Kind geboren. Vor mir kamen bereits 4 Schwestern, eine Halbschwester und zwei Brüder auf die Welt. Später folgte noch die jüngste Schwester. Meine Mutter war ein Adoptivkind. Mein Vater blieb, weil ohne Lehre, Hilfsarbeiter mit unterschiedlichen temporären Gelegenheitsjobs. Zur Zeit meiner Geburt war er gerade in Oberägeri als Torfstecher beschäftigt. Die ersten 16 Monate verbrachte ich im Familienkreis. Da der Lohn für die vielköpfige Familie nirgends hinreichte, versuchte der Vater alle Kinder loszuwerden und in ein Kinderheim zu verfrachten.
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  Heinz Egger

Im November 1934 kam ich als viertes von sechs Kindern in der Berner Altstadt, genannt Matte, zur Welt. Man gab mir den Namen Heinz-Rudolf. Kurz nach der Geburt wurde ich, wie auch die drei älteren und die beiden jüngeren Geschwister, meiner Mutter, die bei meiner Geburt bereits 49 Jahre alt war, aus was auch für Gründen, weggenommen und in ein Säuglings- oder Kinderheim gesteckt. Hier durfte, oder musste ich also die ersten 12 Monate, meist wohl in horizontaler Lage, ohne Bewegungs-Therapie, ausharren. Was vermutlich auch der Grund ist, dass ich bis heute meine beiden Ellbogen nicht ganz durchstrecken kann...
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  Theresia Rohr-Steinmann

Ich bin 1946 im Luzernischen als Zweitjüngste meiner Familie geboren. Als ich zwei Jahre alt war, starb meine Mutter im Kindbett zusammen mit ihrem achten Kind. So begann für uns Geschwister die Zeit des Leidens, die uns alle fürs Leben prägte. Von uns sechs damals noch lebenden Kindern wurden die beiden ältesten bereits zu jenem Zeitpunkt bei Bauern im Luzernischen verdingt. Vier Jahre danach wurden auch wir vier jüngeren zu Luzerner Bauern und Handwerkern verdingt. Drei Jahre später kamen mein älterer Bruder, meine jüngere Schwester und ich zusammen ins Kinderheim Mariazell in Sursee (LU).
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  Paul Schwarz

Paul Schwarz wurde 1972-76 von der Vormundschaftsbehörde wegen der Scheidung der Eltern bei grässlichen Bauersleuten in der Gemeinde Belp verdingt. Schier unglaublich, was er alles erleiden und erleben musste. Obwohl hochintelligent hielt man ihn wie den letzten Knecht, liess ihn kaum die Aufgaben machen, so dass er die Sekundarschule mit schlechteren Noten beendete, als er es verdient hätte. Nach der Landschaftsgärtnerlehre wanderte Paul Schwarz nach Kanada aus, liess damit die schlimme Kindheit und eine bittere Erinnerung an die Schweiz hinter sich, machte sich selbständig und holte auch den verpassten Universitätsabschluss nach.
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  Hugo Zingg

Hugo Zingg kam 1936 im Berner Mattequartier in einer Arbeiterfamilie zur Welt. Sein Vater war Mechaniker. Seine frühen Kinderjahre verbrachte erbis kurz vor Schuleintritt in einem sogenannten Kinderheim in Kleindietwil im Oberaargau. Der Besitzer, ein Coiffeur, hatte mehrere fremde Kinder gegen ein Kostgeld in Pflege. Im Winter 1942/43 wurde er auf einen Bauernhof mittlerer Grösse im Gürbetal verdingt. Er wurde für alle Arbeiten in Feld, Haushalt und Stall eingespannt. Geschlafen hat er im ungeheizten, finsteren Gaden zusammen mit dem jungen Knecht, der vor ihm auch schon Verdingbub gewesen war.
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Hugo Zingg
  Armin Leuenberger

Ich wurde am 13. Oktober 1945 im Tiefenauspital in Bern geboren. Meine leiblichen Eltern waren unverheiratet und lebten nicht zusammen. Ich bekam den Namen des Vaters, Armin Bächli. Meine Mutter hatte einen Beistand. Auch mir wurde 1947 ein Beistand zugeordnet. In einem kuriosen Verfahren verneinte das Bezirksgericht Zurzach 1946 auf Betreiben der Heimatgmeinde die Vaterschaft, weil mein Vater damals im Gefängnis sass. Ich erhielt nun den Familiennamen meiner Mutter, Leuenberger.
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  Kurt Gäggeler

Ich wurde am 3. November 1951 in Bern geboren. Das erste Lebensjahr in Bern verlief fast normal bis auf einen Trümmerbruch der Nase im Laufgitter der ohne ärztliche Abklärung blieb. Der Vater arbeitete beim Bauamt der Stadt Bern und war jeweils den ganzen Tag abwesend. Die Mutter hatte scheinbar kein grosses Bedürfnis, zu mir zu schauen, so ging ich, sobald ich gehen konnte im Haus „klingeln“ und lud mich jeweils selber zum Essen ein. Ich habe eine 1 ½ Jahre jüngere Schwester. An Erlebnisse mit ihr in Bern erinnere ich mich nicht mehr. 1955 im Frühling dann der Wegzug von Bern für mich zu Bekannten aus der Jugendzeit meines Vaters (eine Pflegefamilie, aber verdingt wie alle andern), Kleinbauern in der Gemeinde Schwarzenburg...
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Hugo Zingg