Zeitzeugen


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Armin Leuenberger

Namenswirrwarr und Schwarzpeterspiel
Ich wurde am 13. Oktober 1945 im Tiefenauspital in Bern geboren. Meine leiblichen Eltern waren unverheiratet und lebten nicht zusammen. Ich bekam den Namen des Vaters, Armin Bächli. Meine Mutter hatte einen Beistand. Auch mir wurde 1947 ein Beistand zugeordnet. In einem kuriosen Verfahren verneinte das Bezirksgericht Zurzach 1946 auf Betreiben der Heimatgmeinde die Vaterschaft, weil mein Vater damals im Gefängnis sass. Ich erhielt nun den Familiennamen meiner Mutter, Leuenberger.

Kinderheim
Die ersten drei Lebensjahre bis 1948 verbrachte ich im Kinderheim in Wohlen.

Verdingt
Mit 3 Jahren wurde ich bei einem Grossbauern in der Stadt Freiburg platziert, der selber zwei Kinder hatte, einen Knaben und ein Mädchen, beide etwas älter als ich. Nun hiess ich Jakob Zbinden. In der 3. Primarklasse aber intervenierte meine Lehrerin, und plötzlich hiess ich wieder Armin Leuenberger. Auf dem Hof waren je zwei Karrer und zwei Melker, sowie eine Magd angestellt. Ein Melker war sehr gewalttätig und grausam gegen mich. Wir mussten alle, auch die Kinder des Bauern, früh aufstehen und sehr streng arbeiten. Ich blieb bis zum 16. Altersjahr auf dem Hof.

Terror durch Schulweg, Schule und Kirche
Da ich der Jüngste auf dem Bauernhof war, musste ich den 5 Kilometer langen Schulweg allein bewältigen. Der Lehrer war stur und parteiisch. Immer im Dezember verkündete er vor der Klasse, ich müsse nun Schuhe und Kleider, welche durch die Fürsorge des Kantons Bern bezahlt seien, abholen. Dabei war ich auf dem Hof des reichsten Bauern. Auch der Pfarrer gab mir meinen Status deutlich zu verstehen.

Die Mutter verheimlicht
Kurz vor meiner Konfirmation war plötzlich die Magd verschwunden. Als ich den Grund wissen wollte, gab man mir die Antwort: es sei meine leibliche Mutter gewesen.

Was nun?
Der Sohn des Bauern, der den Bauernbetrieb nun führte, gab mir am Ende der Schulfpflicht zu verstehen, ich solle mich nach einer Arbeit umsehen. Mit 17 Jahren wurde ich Lohndrescher auf einer neuen Maschine und verdiente so mein eigenes Geld.

Bürolehre, Handelsschule, Verkäufer, Heirat
Bei der Freiburger Firma Michel für Baumaterial und Werkzeuge begann ich dann eine Bürolehre, die ich aber nach zwei Jahren abbrach. Nun erwarb ich als nächstes die Ausweise für Autos und Lastwagen. Dann absolvierte ich noch die Handelsschule. Nach der Rekrutenschule begann ich als Verkäufer bei Coop in der Region Bern, wurde aber sofort zur Weiterbildung geschickt und darauf ziemlich schnell Filialleiterstellvertreter. Meine erste Liebe war eine Käserstochter. Als wir heirateten begannen wir selbständig ein Milchgeschäft, das weniger abwarf als uns vorgegaukelt. Dazu kamen Querelen mit dem Branchenverband wegen den Öffnungszeiten. Die Ehescheidung beendete diesen Versuch.

Lastwagenfahrer und zweite Heirat
Nun arbeitete ich wieder einige Zeit als Lastwagenchauffeur. Dann lernte ich meine zweite Frau kennen. 1970 kam die erste Tochter und 1973 die zweite zur Welt. Eine Familie vertrug sich schlecht mit den vielen Abwesenheiten in diesem Beruf.

Über Umwege zum eigenen Geschäft
Nach einem kurzen Versuch als Monteur für Türzargen begann ich als Verkäufer für Bodenbeläge, bildete mich in Kursen weiter und machte dann auch das Diplom als Fachberater VSTF. 1985 gründete ich mein eigenes Geschäft, das ich bis vor einigen Jahren erfolgreich betrieb.

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