Zeitzeugen

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Biografie von Maria Purro

nach eigenen Notizen

An einem trüben Herbsttag 1952 brachte mich meine Mutter über eine Stunde zu Fuss weit vom Dorf Wolhusen weg zu einem ihrer Brüder. Dieser, mein Onkel, hatte einen mittelgrossen Bauernhof zur Pacht. Seine Frau, Lina, war zu dieser Zeit sehr krank, und deswegen die ganze Familie mit den fünf Kindern in einer Notlage. Ich war damals erst 12 Jahre alt und sollte nun einspringen und diese Lücke füllen. Von zu Hause aus war ich zwar gewohnt, von klein auf der Mutter zu helfen, um ihr die Arbeit, die auf ihr lastete, mit meinen vier kleinen Brüdern zu bewältigen. Meine Mutter war neben den Familien- und Mutterpflichten zusätzlich in das Geschäft meines Vaters eingebunden, wo die meist ledigen Arbeiter im Familienhaushalt mitversorgt wurden und hier auch eine Zuhause bekamen. Nicht selten mussten wir Kinder abends noch Platz machen, damit ein Angestellter bei uns übernachten konnte. Dazu war meine Mutter oft gereizt, weil unser Vater kaum oder nur wenig Zeit für sie und die Familie erübrigen konnte.

Und nun wurde ich als Zwölfjährige in eine fremde Familie gebracht, um dort zum Rechten zu sehen, obwohl dies eindeutig über meine Kräfte ging.

Heute stelle ich mir die Frage: „Was ist denn Liebe?“ Ich persönlich kenne sie nur als Gebende. Bekommen habe ich bis heute selber wenig. Dafür hab ich mehrfach erfahren, was Entbehrung heisst. Auch in in der Partnerschaft hatte ich Pech. Und deshalb fehlt mir vielleicht deswegen manchmal die Energie, um meinen Haushalt zu besorgen.
Was mich heute immer noch tief beeindruckt und traurig macht, ist die kalte Ablehnung, die ich wiederholt durch einzelne Menschen und ganz besonders durch meine Verwandschaft erdulden und erleiden muss. Durch diese Missachtung fühle ich mich missverstanden und allein gelassen.

Meine Sehnsucht nach Menschlichkeit, Anerkennung und Wertschätzung war ausschlaggebend, dass ich mich dem Malen widmete. Mein Wirken und aufopferndes Wohlwollen für andere Menschen in meiner Jugend fanden kaum je ein positives Echo. Glücksgefühle waren selten und mein Selbstwertgefühl ist bis heute ramponiert. Im Malen jedoch kann ich meine verborgene Lebensfreude immer wieder in den Bildern umsetzen. Weil ich aber im täglichen Leben oft und viel zu sehr alleine bin, habe ich mir vier Büsi (Katzen) angeschafft, die ich füttern und streicheln kann. Kleine Wesen, die mich brauchen und die auf mich zählen können. Sie geben mir Wärme und Kraft, damit ich den Alltag besser bewältigen kann.

Bild Maria Purro

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