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Fremdenlegionär Nr. 5720 Leonard Buholzer

Buholzer

Auch für manche ehemalige Waisen- Heim und Verdingkinder war der Dienst in der französischen Fremdenlegion eine Option, um der oppressiven Gesellschaft in der Schweiz und den in der Kindheit zugefügten Wunden und Narben zu entfliehen. Einige hatten Glück, die Mehrheit aber kam vom Regen in die Traufe. Strenge Disziplin, Schindereien, Brutalität seitens der Ausbilder, Hunger, Durst, Gewaltmärsche, das ungewohnte nordafrikanische heisse Klima, die anfangs schwierige, sprachliche Verständigung, Verletzung, Kriegsgefangenschaft oder Tod. Leonard Buholzers Biographie ist ein abenteuerliches, seltenes Zeugnis dazu. Die Regisseurin, Marianne Schneider, würdigt sein Leben in einem im Mai 2013 fertiggestellten Dokumentarfilm.


Leonard Buholzer, 1920 in der Nähe von Kriens geboren, wird mit 9 Jahren Waise. Der Vormund platziert ihn für 4 Monate in einem Waisenhaus. Dann nimmt ihn der Grossvater zu sich. Weil aber der Achtzigjährige überfordert ist, kommt Leonard in ein zweites Waisenhaus, dem weitere folgen. Die schulischen Leistungen leiden der häufigen Umplatzierung wegen. Die meisten Schuljahre muss er wiederholen. Mit 12 Jahren wird er als Verdingbub bei einem Bauern platziert. Später kommt er zu einem Bäcker. Der Vormund verweigert ihm die Bäckerlehre aus finanziellen Gründen und schickt ihn als billigen Knecht zurück in die Landwirtschaft. Leonard flieht mehrmals. Im Kanton Solothurn trifft er einen ehemaligen Legionär, der ihm rät, nach Frankreich zu gehen. Mit 18 Jahren überschreitet er im Jura die Grenze und wird von einem Polizisten an die Kaserne der Fremdenlegion in Mülhausen verwiesen. Er erhält die notwendigen Papiere, ein Billet und Reiseproviant, sowie die Verpflichtung sich innert 24 Stunden in Toul einzufinden. Dort erhält er zum ersten Mal in seinem Leben ein fürstlich bemessenes Essen mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Er verpflichtet sich für 5 Jahre. Um angenommen zu werden nimmt er den Namen Fritz Eichenberger an und macht sich um zwei Jahre älter. Er verpflichtet sich für 5 Jahre. Am 26. Februar 1936 schifft er sich in Marseille für die Überfahrt nach Tunesien ein. Er kommt zu Kavallerie und leidet dort zusammen mit seiner Gruppe, unter dem Drill und den Schikanen der brutalen Ausbilder. Er lernt die französische Sprache, bewährt sich im Dienst, wird befördert. Aber im Mai 1940 geht’s zurück an die Front in Europa gegen Deutschland. Er wird bei einem Angriff am Bein verwundet. Schon im Juni ist Frankreich bereits besiegt und besetzt. Leonard wird Kriegsgefangener und nach Hamburg deportiert, muss am Bahnhof und in einer Flugzeugfabrik arbeiten. Nach zwei Fluchtversuchen wird er einem Himmelfahrtskommando zugeteilt, das Minen räumen muss. Als englische Bomber die Flugzeugfabrik zerstören , wird Leonard nach Wien verlegt, wo er in den Messerschmitt Flugzeugwerken arbeiten muss. 1943 wird diese Fabrik ebenfalls zerstört. Leonard kommt nach Maribor in Jugoslawien, wo die französischen Kriegsgefangenen in einer Landwirtschaftskooperative Dienst leisten müssen. Leonard wird dort von einem Offizier der Abwehr als Legionär enttarnt. Er landet in einem Disziplinierungslager in Fala, wo Hunger und Kälte, die Häftlinge im strengen Winter 1943-44 zu Dutzenden dezimieren. Zusammen mit zwei Jugoslawen, gelingt ihm die Flucht und er landet bis zum Kriegsende bei den Widerstandskämpfern Marschall Titos, wo er sich bewährt und zwei Mal befördert wird. Über Italien gelangt er nach Marseille. Dort gibt er die Uniform der Fremdenlegion ab und wird Ausbilder für Minenräumer in der französischen Armee fort. Bald aber plagt ihn das Heimweh und er kehrt in die Schweiz zurück. Nach verschiedenen Arbeitsstellen arbeitet er bis zu seiner Pensionierung als Trolleybusfahrer in der Stadt Zürich.
Aus „Les Suisses célèbres à la Légion étrangère, Jean-François Rouiller, 1991

Buholzer

Un Suisse au service de Tito contre les Nazis
Né près de Kriens, dans le canton de Lucerne, Léonard Buholzer est orphelin à 9 ans. Le tuteur le place dans un orphelinat. Il y reste quatre mois, avant d’être recueilli par son grand-père. Alors âgé de 80 ans, cet homme ne peut pas garder le garçon, lequel retrouve l’orphelinat. Les résultats scolaires ne sont évidemment pas brillants pour l’enfant ballotté d’un institut à l’autre. Léonard redouble presque toutes les classes. Il quitte l’école à douze ans, est placé chez un paysan d’abord, chez un boulanger ensuite. Mais le tuteur ne veut pas verser les 200 francs nécessaires à l’entrée en apprentissage. Le retour chez des paysans est suivi de deux ou trois fugues. Un jour dans le canton de Soleure, il fait la connaissance d’un ouvrier agricole qui était à la Légion. Il lui suggère de partir en France. C’est en hiver 1938 que le jeune homme de 18 ans passe la frontière pour se retrouver dans un pays dont il ignore la langue. Un policier alsacien lui propose la Légion étrangère. Il se rend à la caserne de Mulhouse. Muni d’un casse-croûte, d’un bidon de rouge et d’un billet de train pour Toul, il reçoit l’ordre de se présenter dans les 24 heures au bureau de recrutement. „C’est à Toul que, pour la première fois dans ma vie, j’ai fait un vrai repas avec entrée et dessert.“ Pour cinq ans, notre Léonard devient Fritz Eichenberger, nom d’un de ses copains, se vieillissant de deux ans pour avoir l’âge de majorité requis. Huit jours plus tard, il est déplacé vers Marseille, d’où il embarque le 26 février 1938 pour la Tunisie. Là il est versé dans la cavalerie. „Les premiers jours, ce fut très pénible. La discipline était très rigide.“ Léonard bon cavalier, appliqué à apprendre le français, prend du galon. Le 30 avril 1939 il est nommé brigadier. En janvier 1940, le groupe de Léonard embarque à Tunis pour la Deuxième Guerre Mondiale en Europe et prend ses quartiers à Valdahon dans le Doubs. En juin 1940, le groupe est surpris par une attaque aérienne. Le cheval de Léonard est tué, lui-même reçoit un éclat d’obus à la jambe. Mais la guerre est finie et Léonard devient prisonnier de guerre. Il est transféré à Hambourg, travaillant soit à la gare, soit aux usines d’aviation Focke-Wulf. Après s’être évadé deux fois, il est placé dans un camp disciplinaire à Hambourg et affecté à un commando de mission kamikaze chargé de déterrer les bombes larguées qui n’ont pas explosé. En automne 1942, les usines Focke-Wulf sont rasées par la RAF. Léonard est transféré en Autriche, à la fabrique Messerschmitt près de Vienne, qui sera également bombardée en octobre 1943. Buholzer est à nouveau transféré à Maribor en Yougoslavie. Il y forme, avec des internés français, un „Arbeitskommando“ occupé dans une coopérative agricole. Après qu’un officier de l’„Abwehr“ l’ait démasqué, il est envoyé au camp disciplinaire de Fala, où il souffre de malnutrition. L’hiver 1943-44 fut extrêmement rigoureux. Les prisonniers tombaient comme des mouches. Léonard s’évade avec deux yougoslaves pour rejoindre les résistants. Il devient partisan, obtient rapidement les galons d’un sergent, et il fait son service jusqu’à la fin de la guerre. En septembre 1945, il quitte l’uniforme de légionnaire pour se mettre au service de la France en tant qu’instructeur en déminage. Mais le mal du pays se fait sentir. Il revient en Suisse. Après plusieurs travaux, il devient conducteur de trolleybus à Zurich jusqu’à l’âge de la retraite.
Extrait de « Les Suisses célèbres à la Légion étrangère », Jean-François Rouiller, 1991


Legionär Nr. 5720 Leonhard Buholzer alias Fritz Eichenberger
Légionnaire No. 5720 Léonhard Buholzer alias Fritz Eichenberger

Dokumentarfilm/ film documentaire: 59 min

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Frau Marianne Schneider, Regisseurin und Produzentin dieses Dokumentarfilms, hat während sechs Jahren das Leben dieses heute 94-jährigen Fremdenlegionärs aufgezeichnet. Der ehemalige Verdingbub floh mit 17 Jahren mit einem gestohlenen Velo vom Bauernhof, wo er als Knecht arbeiten musste, über die Grenze ins Elsass, wo er sich für die Fremdenlegion anheuern liess. 1938, wird er im Wüstencamp in Tunesien als Kavallerist ausgebildet und als solcher 1940 im Zweiten Weltkrieg in Europa eingesetzt. Die Deutschen brachten den in einer Schlacht Verwundeten in ein Lazarett. Als Kriegsgefangener kam er in Arbeitslager. Nach mehreren Fluchtversuchen gelingt schlägt er sich in Jugoslawien auf die Seite der Partisanen Titos und kämpft erfolgreich gegen die deutschen Besetzer. Leonhard erlebt menschliche Tragödien und grausame Kriegsgewalt. 10 Jahre später, bei seiner Rückkehr in die Schweiz, wird er vor Divisionsgericht gestellt, kann sich aber erfolgreich verteidigen und wird freigesprochen. Leonhard bleibt ein Einzelgänger, arbeitet in verschiedenen Transport- und Baufirmen und entschliesst sich, nach der Pensionierung ins Altersheim der Fremdenlegion in Auriol einzutreten. Wo sonst auf der Welt hätte er Menschen, die ihn verstehen? Dort, in Südfrankreich, erlebt er die Verbundenheit mit all jenen Männern, die, wie er, im Krieg waren und jeder versucht, auf seine Weise, mit dem Erlebten fertig zu werden.